Wir und die anderen

Organspende – Entscheidung oder Widerspruch?

Wer von uns würde sich einem Hilfeschrei verweigern? In Deutschland spendet man doch freudig für gute Zwecke! Bei der Organspende aber gibt es  große Probleme. Nie waren die Spenderzahlen niedriger als 2017. Der Bundesgesundheitsminister will diese Probleme lösen. Mit Recht hat er konstatiert, dass uns das „nicht gleichgültig“ ist und sein dürfe, wenn „10.000 Menschen hoffen und warten und die Chance da wäre, Leben zu retten.“ Er hat, um dieses Ziel zu erreichen, die sogenannte Widerspruchslösung ins Auge gefasst. In Europa steigt die Zahl der Länder, die diese Lösung gesetzlich verankert hat. In Deutschland gilt dagegen die „Entscheidungslösung“, eine besondere Form der „Zustimmungslösung“, wonach nur Derjenige Organspender ist, der zu Lebzeiten ausdrücklich einer Organentnahme zugestimmt hat, und zwar nach ausreichender Information. Deshalb bekommen alle Krankenversicherten Informationsmaterial  und einen Organspendeausweis zugeschickt, auf dem sie wahlweise JA zur Entnahme verschiedener Organe oder NEIN ankreuzen können. Nur wenn gar keine Entscheidung vorliegt, können auch Angehörige befragt werden, um den mutmaßlichen Patientenwillen zu ermitteln.  …mehr lesen

Ich, Wir und die Anderen

Erst gegen Ende des 2. Lebensjahres erkennt ein Kind sich selbst im Spiegel, noch später sagt es „Ich“, was immer das heißt; denn was dieses  ICH eigentlich ist, darüber herrscht Philosophenstreit seit der Antike, neuerdings aufgeflammt im Lichte der Neurowissenschaften*.  Jedenfalls wird das Kind sich seiner selbst bewusst – Selbstbewusstsein im Sinne von  „Bewusstsein von Bewusstsein“, nicht im oft gebrauchten Sinne von „Selbstvertrauen“ – und kann das endlich ausdrücken im Wort „Ich“.

Damit verbunden ist die erste Abgrenzung, das Wort „Du“. Der Mensch ist von Anfang an ja nicht allein, sondern in irgendeiner Form auf seine Umwelt bezogen. Die enge körperliche Verbindung des Kindes mit der Mutter wird bei der Geburt getrennt. Dann steht es ein Leben lang in einer Beziehung zu Anderen, nimmt kulturelle Einflüsse und soziale Verhaltensweisen in sich auf. Die Identität, so der Psychoanalytiker Erik Erikson, hängt von diesen Erfahrungen ab. Oder, nach Habermas in einem Satz vereinfacht ausgedrückt: Das, was man Identität nennt, ist nur gemeinsam mit anderen Menschen auszubilden. Das sagte übrigens auch schon der deutsche Philosoph Fichte vor 200 Jahren, dass nämlich der Mensch nur unter Menschen ein solcher wird, und ebenso alt ist Hegels Gedanke, dass die Wahrnehmung des Selbst mit der Abgrenzung zum Anderen verknüpft ist.

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Grenzgebiete?

Wann sind Sie zum letzten Mal „an Ihre Grenzen gekommen“? Wie ging es Ihnen in diesem Moment? Und was haben Sie da unternommen?

Folgt man dem „Duden“ so sind Grenzen Trennungslinien zwischen vorhandenen Gebieten, aber auch gedachten Bereichen, darüber hinaus „Begrenzung, Abschlusslinie, Schranke“.

Mit den vorhandenen Gebieten sind z. B. Länder gemeint, die durch politische Grenzen getrennt sind, aber auch Landschaften mit natürlicher Trennlinie, wie durch Meer, Gebirgszug oder Strom. Klare Grenzen in jedem Fall. Ein Grenzgebiet wäre dann einfach das unmittelbar an die Grenze anschließende Gebiet.

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