Medizin und Ethik

Organspende – Entscheidung oder Widerspruch?

Wer von uns würde sich einem Hilfeschrei verweigern? In Deutschland spendet man doch freudig für gute Zwecke! Bei der Organspende aber gibt es  große Probleme. Nie waren die Spenderzahlen niedriger als 2017. Der Bundesgesundheitsminister will diese Probleme lösen. Mit Recht hat er konstatiert, dass uns das „nicht gleichgültig“ ist und sein dürfe, wenn „10.000 Menschen hoffen und warten und die Chance da wäre, Leben zu retten.“ Er hat, um dieses Ziel zu erreichen, die sogenannte Widerspruchslösung ins Auge gefasst. In Europa steigt die Zahl der Länder, die diese Lösung gesetzlich verankert hat. In Deutschland gilt dagegen die „Entscheidungslösung“, eine besondere Form der „Zustimmungslösung“, wonach nur Derjenige Organspender ist, der zu Lebzeiten ausdrücklich einer Organentnahme zugestimmt hat, und zwar nach ausreichender Information. Deshalb bekommen alle Krankenversicherten Informationsmaterial  und einen Organspendeausweis zugeschickt, auf dem sie wahlweise JA zur Entnahme verschiedener Organe oder NEIN ankreuzen können. Nur wenn gar keine Entscheidung vorliegt, können auch Angehörige befragt werden, um den mutmaßlichen Patientenwillen zu ermitteln.  …mehr lesen

Verbessern oder steuern? Enhancement durch Technik

Ein „Cyborg“ ist ein mit Maschinen gekoppelter Mensch, der erweiterte (bis zu „übernatürliche“) Fähigkeiten besitzt, bekannt geworden durch Science Fiction. Die vielen Herzschrittmacherträger sind eigentlich schon Cyborgs, die Smartphone- und Datenbrillen – Benutzer allerdings nicht, da diese Geräte nicht in den Körper integriert sind.

Der Cyborg ist Mensch geblieben. Wie lange aber ist er Mensch? Die Grenze zum Roboter wäre da, wo der Technikteil überwiegt.

Selbstverständlich finden wir es gut, dass wir technisch z.B. optische Signale in akustische umsetzen und einem Patienten, der nur schwarz und weiß wahrnimmt, auf diese Weise Farbsehen ermöglichen können. Lässt man aber die medizinischen Themen weg, also die Fälle, wo es um Hilfe bei Defiziten geht, sind wir wieder beim Enhancement. Wäre es nicht schön, wenn wir unsere normalerweise beschränkten Fähigkeiten erweitern könnten?  Können wir das und was „bezahlen“ wir dafür? Um beim relativ einfachen Beispiel der Sinne zu bleiben: Sind wir noch „Mensch“, wenn wir so schnell laufen könnten wie ein Gepard, nachts so gut sehen wie eine Katze, ultraviolettes Licht wahrnehmen wie Bienen oder uns mit Ultraschall orientieren wie Fledermäuse?

Dass wir mit dem Smartphone in Sekunden mehr wissen, schneller reagieren und uns rascher wieder erinnern können, ist eigentlich schon nicht mehr „natürlich“. Trotzdem stellen wir davon nichts in Frage. Warum? Das Smartphone ist ja nur ein Mittel, nichts Anderes als das Buch, in dem ich früher nachschlug – oder? Jedenfalls befindet es sich außerhalb meines Körpers. Ich fühle mich sicher: hier ist mein Körper, da die Maschine.  …mehr lesen

Neuro-Enhancement und Hirndoping

Geistige Leistungssteigerung durch chemische Substanzen

Heute soll es nur darum gehen; von dem großen Thema der direkten Einwirkung auf Gehirne durch Technik soll der nächste und letzte Beitrag zum „Enhancement“ handeln.

Das Kauen von Blättern des Coca-Strauchs ist in Südamerika seit über 2000 Jahren bekannt, aber „Neuro-Enhancement“ wird auch in Europa seit Jahrhunderten betrieben: Kaffetrinken gehört dazu, ist doch Koffein eine chemische Substanz mit nachweislichen Wirkungen.  Unter „Hirndoping“ dagegen versteht man die (missbräuchliche) Verwendung von Substanzen, die verschreibungspflichtig sind und ohne medizinische Indikation von Gesunden zur Leistungssteigerung eingenommen werden. 2015 berichtete das Deutsche Ärzteblatt von fast 5 Millionen, die schon einmal rezeptpflichtige Medikamente zur Stimulierung genommen haben, ohne krank zu sein. Eine Million tue das inzwischen regelmäßig.  ( Aus den USA wurden  Daten von bis zu 35% der der Beschäftigten zitiert.)  Eine wichtige Gruppe seien Studenten; mit der Indikation „Prüfungsangst“ würden Ärzte solche Rezepte ausstellen. Aber auch innerhalb der Familie und über Freunde würden die begehrten Pillen ausgetauscht. Ferner nehme der Internethandel zu, eine besonders problematische Bezugsquelle aufgrund der unkontrollierten Fälschungen, die dort zunehmend unterwegs sind. Die Tendenz ist steigend, obschon man weiß, dass der Schaden bei langfristiger Einnahme weit größer ist als der Nutzen: Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrhythmus- und Schlafstörungen sind dabei noch „harmlos“, bedenkt man die gravierenden Folgen von Abhängigkeit und Persönlichkeitsveränderungen.  …mehr lesen

Ist der „Hirntod“ unser Tod?

Die Nachricht: Wissenschaftler aus Yale haben Schweinegehirne 36 Stunden außerhalb des Körpers am Leben gehalten. Die Gehirne wurden erst etwa 4 Stunden nach der Schlachtung  an einen künstlichen Kreislauf angeschlossen. Die Gehirnzellen seien dabei „lebendig“ gewesen. Allerdings habe man keine Hirnströme ableiten können – lebendige Hirnzellen ohne Funktion also?  Soweit die  am 25.4.  dem  „MIT Technology Review“ entnommene Information. Genaueres ist nicht bekannt, der Forschungsbericht liegt noch nicht vor. Immerhin reichen diese wenigen Daten, um sich viele Gedanken zu machen: wäre das auch beim Menschen technisch möglich?  ( Wahrscheinlich).  Könnte man mit besser entwickelter Technik  Gehirne unbegrenzt am Leben erhalten? (Vielleicht). Und vor allem, denn im Gehirn verorten wir ja unsere Identität und Persönlichkeit: Würde ein solches isoliert lebendes Gehirn Bewusstsein haben, sich selbst erkennen, Gedächtnis besitzen, letztlich eine „Person“ sein? Würde mein isoliertes Gehirn ICH sein? (Unbekannt). Eine Frage aber sollte schon jetzt bedacht und möglichst bald beantwortet werden: brauchen  wir dann nicht eine neue Todesdefinition?

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