Roboter in der Pflege?

Roboter in der Pflege

Science Fiction -Literatur und -Filme  beschäftigen sich schon lange mit Robotern, die Menschen gefährlich werden oder am Ende die Weltherrschaft übernehmen könnten. Viel näher sollte uns die Frage sein, ob wir vermehrt Roboter in der Pflege einsetzen wollen, wie es z. B. in Japan seit Jahrzehnten schon die Regel ist.

Nebenbei gesagt:  Kunstwesen sind nichts Neues. Schon die antike Pandora, die dann alle Leiden in die Welt brachte, war ein solches, und in der Mythologie Kretas gibt es den bronzenen TALOS, einen Roboter, der das Land und die Gesetze beschützte.

Pro und Contra

Für das Einsetzen in der Pflege spricht Einiges. Nicht nur Praktisches, auch durchaus Würde – Wahrendes, um gleich auf die  ethischen Fragen zu kommen. Man könnte zum Beispiel nicht nur einen starken Helfer beim Heben aus dem Bett haben, sondern Zeiten wie gewünscht einstellen: Patienten müssten nicht mehr sehr früh geweckt und sehr früh zum Schlafen gedrängt werden, nur weil es die Arbeitsroutine der Station so fordert. Auch ist gut zu verstehen, dass ein sofortiges Wechseln von Windeln, wenn nötig, sicher viel besser für den Patienten ist als ein langes Warten auf überbeschäftigtes Pflegepersonal.

Was spricht dagegen? Vor allem unsere tief sitzenden Ängste, die gruselige und unheimlicher Empfindungen auslösen, aber auch viele Fragen:  Kann ein Roboter „durchdrehen“? Kann er Bewusstsein entwickeln und dann tun, was er möchte? Selbst wenn man nicht so weit geht – unser Empfinden ist eher angstbesetzt, wenn wir bei einem Gegenüber nicht das Gesicht einschätzen können. Dies allerdings dürfte abnehmen, da sich die Scheu vor technischen Geräten, mit denen wir im Alltag inzwischen eigentlich laufend zu tun haben,  wohl immer mehr verliert. Im Grunde würde mit den Robotern „das Ganze nur dreidimensionaler“, wie es Professor Ritter, Leiter der Forschungsgruppe Neuroinformatik in Bielefeld, formulierte.

Dennoch sind zu vielen Fragen offen. Wie weit werden die Maschinen autonom, so dass sie die Autonomie des Menschen gefährden können, indem sie eingreifen und selbständig eine „Führung“ übernehmen? Zur Zeit tut ein  Roboter das, was der Programmierer eingegeben hat. Er teilt zum Beispiel ein Medikament aus. Was soll er tun, wenn sich ein Patient weigert, das Medikament sofort einzunehmen? Wie müsste der Roboter programmiert werden, um in dieser Situation Alternativen zu haben? Weiter, denn heute  gibt es lernende Systeme: Könnte eine Situation entstehen, wo der Programmierer letztlich nicht mehr voraussehen kann, was der Roboter in einer gegebenen Situation tun wird?  Wo er selbst “ entscheidet“? Kann man einem Roboter eine gewünschte „Moral“ einprogrammieren? Oder ist die ganze Frage von vornherein falsch, weil moralisches Verhalten einen freien Willen braucht ?

Wie  können Roboter helfen?

Sie können unter Umständen dazu beitragen, dass Menschen länger selbständig und in Würde leben können. Sie können Not lindern, die Versorgung verbessern. Assistenzsysteme werden zur Zeit im Reha- und Pflegebereich getestet. Sprechende Roboter helfen Schlaganfallpatienten beim Wieder-Erlernen des Gehens. Studien haben gezeigt, dass Kinder mit Autismus leichter einen Roboter als Kommunikationsbrücke benutzen als direkt mit Menschen in eine Interaktion zu treten.

Kann auch menschliche Zuwendung ersetzt werden? Die Kuschelrobbe Paro gibt es seit den 90er Jahren, seit etwa 10 Jahren werden Tier-Roboter auch in Deutschland eingesetzt. Viele Berichte liegen vor über positive Effekte bei Patienten, die in sich verschlossen waren und plötzlich wieder emotional reagieren. Auch kamen Patienten über die Pflege-Robbe Ole neu miteinander ins Gespräch. Als „therapeutisches Mittel“ scheinen Tier-Roboter also bereits ihren Platz zu haben. Allerdings: Ersatz für menschliche Zuwendung ist das wohl nicht. Der Roboter wirkt als ein Stimulus. Er löst eigenes Erleben aus. Was da ausgelöst wird, ist vom jeweiligen Menschen abhängig und kann daher sehr verschieden sein.

So wurde beobachtet, dass Demenzpatienten, die früher ein Haustier gehabt haben, stärker positiv ansprechen, und dass die Kuschelrobbe bei vielen Patientinnen Muttergefühle auslöst. Genauso kann sie auf der anderen Seite Ängste und Erschrecken auslösen. Deshalb sind auch Tier-Roboter als „Helfer“ zu betrachten, nicht als Ersatz für Menschen. Wie werden sich die Probleme darstellen, wenn die Roboter immer menschenähnlicher gestaltet werden? Handelt es sich dann um eine bewusste Irreführung? Sollte das erlaubt sein? Wie wird ein Kranker auf diesen nicht echten „Menschen“ reagieren? Wie steht es mit möglicherweise hervorgerufenen emotionalen Bindungen an den Roboter?

Roboter – Gesetze dringlich!

Wesentlich erscheint die Erkenntnis, dass wir Richtlinien brauchen, Vorgaben betreffend ethische Grundfragen – nein, nicht für die Roboter, zunächst für die Programmierer! „Wenn man keine Richtlinien zur Verfügung stellt, schafft man sich halt eigene Regeln“, sagt Leon von Torre, Professor für Informatik an der Universität Luxemburg. Aufgrund der rasanten Entwicklung, vor allem auf dem Gebiet der der Künstlichen Intelligenz, brauchen wir baldmöglichst Robotergesetze in der EU. Der Rechtsausschuss des Europaparlaments hat sich bereits damit beschäftigt. Für eine Gesetzgebung müssten ethische Prinzipien Grundlage sein.

Das heißt, dass wir uns genau festlegen müssen, was wir von Robotern wollen und was nicht. Grundsätzlich müsste klargestellt werden, dass Roboter, die immer mehr Eigenständigkeit erlangen und immer weiter mit dem Menschen in Austausch treten können – also z.B. menschliche Emotionen erkennen und nachahmen können – nicht die Freiheit und die Würde des Menschen einschränken dürfen. Das würde letztlich heißen, dass sie den Menschen immer weiter unterstützen sollen, hochkomplexe Entscheidungen zu treffen, diese aber nicht selbst treffen dürfen. Ist das erreichbar? Wir fühlen uns wohler, wenn im Hintergrund immer noch ein Mensch steht, der die letzte Entscheidung trifft und verantwortet – genau das aber setzt voraus, dass der Roboter vorher in der Lage war, mit diesem Menschen zu interagieren. Können wir da noch eine Grenze ziehen? Oder ist das schon zu spät? Schon heute werden viele unserer Entscheidungen, die WIR treffen, durch Algorithmen vorbereitet. Man kann sogar so weit gehen, zu sagen, dass wir durch diese Algorithmen schon zu einer bestimmten Entscheidung hingeführt werden können. Es ist höchste Zeit, sicherzustellen, dass unsere Spezies Mensch in der bisher bekannten Form (zumindest in dem bisher vorhandenen Rahmen) auch für die Zukunft überlebt.

(Die Frage, ob man das für prinzipiell wünschenswert hielte, wäre eine Andere….!)

Wenn man es aber für wünschenswert hält, dann muss die Richtlinienkompetenz fest in der Hand der demokratischen Gesetzgebung sein, nicht in der der Technik oder einzelner Ingenieure!

Auch hier brauchen wir einen breiten gesellschaftliche Diskurs!

 

Links:

http://www.deutschlandfunk.de/roboterethik-die-maschinen-werden-autonom.724.de.html?dram:article_id=385826

https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=193912&s=ach&s=der&s=ist&s=s%FCss

 

Literaturtipp Holm Tetens: Geist Gehirn Maschine,

P. Remmers: Mensch Roboter Interaktion,

H.Becker et al.: Robotik in Betreuung und Gesundheitsversorgung
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